Dunkel-Pixel

Unter den fotografischen Artefakten genießt das gemeine Pixel einen besonders schlechten Ruf. Warum das so ist, weiß natürlich keiner, aber ein digitales Foto gehört nun mal eben glattgebügelt und eine Kamera, die bei einer ISO-Einstellung von 6400 keine pixelfreien Bilder mehr schafft, schnellstmöglich ausgetauscht gegen irgendwas Neues, Geiles, Fettes für Profis und ein paar Tausend Euro, wo du nur den Auslöser drücken musst und schon ist die Dunkelheit ein heller Sommertag geworden.

Was ist das eigentlich – ein Artefakt in einem Foto? Generell ist ein Artefakt ja etwas künstlich vom Menschen Geschaffenes. In der Fotografie sind damit Dinge gemeint, die bei der Aufnahme nicht da waren, sondern als Nebenwirkung des technischen Vorgangs des Fotografierens auf das Bild gekommen sind. Also zum Beispiel Farbsäume an bestimmten Konturen, die konstruktionsbedingt vom Objektiv verursacht werden oder die allseits beliebten Blendenflecken aka Lensflares, die durch Reflexionen im Inneren des Objektivs entstehen. In der digitalen Fotografie können auch elektrische Ladungen auf dem Sensor (oder so, genau muss ich das nicht verstehen, ich bin bloß Fotograf) um helle Lichtquellen lustige Streifen erzeugen. Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Artefakte. Natürlich gehört auch sichtbares Filmkorn dazu oder bei der digitalen Fotografie eben sichtbare Pixel, digitales Rauschen.

Eine technisch perfekte Fotografie dürfte keine Artefakte enthalten. Dennoch gibt es Artefakte, die als hinnehmbar, selbstverständlich oder sogar cool galten oder gelten. Grobes Filmkorn bei Available-Light-Fotografie oder Reportagefotos zum Beispiel, weil die Bilder dann irgendwie rau und authentisch wirken. Oder Lensflares bei einem Motiv im Gegenlicht, das vielleicht eine besonders sommerliche Stimmung vermitteln soll. Was an körnigem Film authentisch oder an der Spiegelung einer Blendenöffnung sommerlich sein soll, ist dann etwas schwieriger zu erklären. Vielleicht gibt es da mehrere historische Stadien. In etwa so: Erst war es ein Fehler, dann künstlerischer Ausdruck und schließlich wurde es ein Klischee?

Wenn das so wäre, dann sind pixelige Digitalfotos wenigstens noch keine Klischeebilder, denn die scheint keiner zu mögen. Das wäre doch mal ein Grund, welche zu machen. Durch grobe Pixel verliert ein Foto an Details. Bei Dunkelheit sieht das menschliche Auge auch nicht wahnsinnig viele. Das passt doch. Hier vier ziemlich pixelige und dunkle Fotos (zum Teil noch mit weiteren Artefakten), die mir gefallen.

 

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